Körperverbindung im Alltag
Baustein 3: Den Körper wahrnehmen und abholen
Wahrnehmen und Abholen - Worum geht's?
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Alles ist im Körper.
Unsere Geschichte, unsere Erfahrungen mit der Welt und mit unseren Bezugspersonen sind in unserem Körper gespeichert. Manches davon ist mit Worten und Gedankenmustern verknüpft. Solche Erinnerungen können wir teilweise verstehen, bearbeiten und integrieren, indem wir darüber sprechen.
Andere Erfahrungen haben wir so früh in unserem Leben gemacht, dass wir noch keine Worte kannten. Solche vorsprachlichen Erinnerungen sind rein körperlich und über Empfindungen und Gefühle gespeichert. Sie können über Worte nicht erreicht werden.
Wenn wir geboren werden, sind wir rein körperlich. Wir erfahren die Welt über unsere Sinne, unser System passt sich diesen Erfahrungen an und wächst. Wir bleiben dann zeitlebens körperlich, der Körper bleibt das Zentrum unseres Erlebens und er trägt unsere erlebte Geschichte in sich. Mit der Zeit kommt dann einiges an Kognition, also Gedankenwelt hinzu. Und manchmal vergessen wir darin im Laufe unseres Lebens, wie zentral unser Körper eigentlich ist für unsere Wahrnehmung und unser Sein. Leicht wird der Körper im Alltag zum Vehikel, das für äußere Zwecke funktioniert.
Nun ist es so:
Unser Körper funktioniert gern für unsere Zwecke. Er gibt sich die größte Mühe, sich an alle Gegebenheiten anzupassen, in die wir ihn bringen. Er ist stets auf unserer Seite und hilft uns im Rahmen seiner Möglichkeiten zu überleben. Er ist ein Wunderwerk der Natur, das 24/7 für uns arbeitet. Und wir… verlassen uns darauf.
Wenn wir so in unserem Alltag und unseren Mustern unterwegs sind, dass wir ihn hier und da ignorieren, stellen wir fest, dass er auch das eine ganze Weile ganz gut mitmacht. Kleine Signale können wir überhören, und die größeren vielleicht aufs Alter schieben. Was viele von uns aber gar nicht wissen: Wie würde es uns eigentlich gehen, wenn wir achtsam mit unserem Körper verbunden wären und unser Leben nach ihm ausrichten würden? Geht es hier eigentlich nur ums gute Funktionieren oder wäre da nicht insgesamt so viel mehr Lebensqualität möglich?
Ein Zweck dieses Kurses ist es, hierfür ein paar persönliche Forschungsansätze zu bieten. Kleine Zuwendungen zum Körper machen bereits einen beachtlichen Unterschied im Alltag. Wir können unsere Körperverbindung Schritt für Schritt kultivieren und erleben, wie unser Körper das dankbar annimmt. So wird alles andere, was wir tun und erleben, automatisch auch ein bisschen leichter, schöner, bewusster - weil wir am zentralen Zahnrad drehen, mit dem alles andere zusammenhängt.
In dieser Woche üben wir, den Körper achtsam wahrzunehmen und genau dort abzuholen, wo er ist. Wir gehen dafür in eine aufmerksame, sanfte, wohlwollende Zuwendung und lassen uns auf das ein, was unser Körper gerade zeigt. Das ist der Aspekt der Wahrnehmung. Wir können dann spüren, dass wir bei uns ankommen und uns mit unserem Körper verbinden. Unser System nimmt unser eigenes Wohlwollen wahr und erkennt darin Sicherheit. Unser Nervensystem kann sich dadurch regulieren, unser Körper kann sich öffnen. So verbunden können wir den Körper dann dort abholen, wo er ist, und ebenso aufmerksam, sanft und wohlwollend in andere Zustände leiten.
Diese Herangehensweise des Wahrnehmens und Abholens bildet eine innere Haltung, die sich nach und nach ausweiten kann, wenn du sie regelmäßig einnimmst. Du kannst erfahren, wie du sie auf alle deine körperlichen Tätigkeiten übertragen kannst. Du entwickelst damit dein Selbstvertrauen: Indem du deinem Körper regelmäßig Wohlwollen, Sicherheit und Rücksichtnahme signalisierst, entsteht in dir auf einer basalen Ebene die Gewissheit, dass deine Bedürfnisse gesehen und gewahrt werden.
Dieses Vertrauen und diese Haltung sind auch in Beziehung mit anderen Menschen und Tieren relevant: Wenn du so bei dir sein kannst, kannst du dich auch gut auf andere Lebewesen einlassen. Und wenn du dich als verantwortliche Person zunächst auf das einlässt, was bei anderen da ist, kannst du auch in Beziehung Verbundenheit aufbauen und von dort aus ganzheitlich in andere Zustände begleiten.
In diesem Kontext hier darfst du dich jedoch ganz auf dich konzentrieren. Wir üben das Wahrnehmen und Abholen hier an einfachen Methoden, die du jederzeit und fast überall ausführen kannst.
Meine Wochen-Challenge
Definiere selbst: Wann möchtest du dir diese Woche Raum nehmen, um über das Wahrnehmen und Abholen mit deinem Körper in Verbindung zu gehen?
Umsetzungstipps:
- Plane jetzt direkt und so konkret wie möglich.
- Lege deine Übung an feste Zeiten oder knüpfe sie an bestehende Routinen.
- Sorge für zuverlässige Reminder, die dich an die Durchführung erinnern.
Einstimmung zum Mitmachen
In die Verbindung gehen
Willkommen zurück, [accessally_user_firstname]! Deine Schritte in die Verbindung:
- Wähle die Übung, die dich heute anzieht. Die Atemübung solltest du kennenlernen, die beiden anderen sind optional.
- Schau dir beim ersten Mal (und immer, wenn du es brauchst) das entsprechende Video an.
- Führe die Übung ohne Video in deinem eigenen Tempo und Timing durch, um ganz bei dir sein zu können.
- (Optional:) Nutze dein Journal, um deine Erfahrungen zu notieren.
Begleitfrage: Wo kannst du das Prinzip von Wahrnehmen und Abholen in deinem Alltag wiederfinden oder anwenden?
Kurzanleitung Atemübung
- Nimm dir einen Moment Zeit, um in deiner Position anzukommen.
- Wenn du magst, schließe deine Augen.
- Eintunen: Etwa eine Minute lang bzw. solange du brauchst ahmst du mit den Händen die Atembewegung nach.
- Wenn du dich mit der Atmung verbunden fühlst, ihren Rhythmus eine Weile mitgegangen bist, übernimmst du mit den Händen sanft die Führung, um die Atmung zu modulieren. Zum Beispiel: Tiefer, weiter atmen, langsamer, schneller, Pausen zwischen Ein- und Ausatmen etc. Experimentiere, spiele, nimm wahr, genieße.
- Zum Abschluss kannst du dir noch etwas Zeit lassen, um nachzuspüren und die entstandene Verbundenheit wahrzunehmen.
Kurzanleitung Balance-Übung
- Nimm dir einen Moment Zeit, um die Schwerkraft zunächst unter beiden Füßen wahrzunehmen. Deine Ausatmung kann dich unterstützen, hier etwas in den Boden loszulassen und deinen Schwerpunkt nach unten sinken zu lassen.
- Wenn du magst, schließe deine Augen.
- Entscheide dich für eine Variante: Start-Unterstützung durch Hand oder Fuß.
- Beginne, die Unterstützung Stück für Stück zu lösen, während du dabei genau in deinen Körper und in dein Gleichgewicht spürst. Versuche, ein Balance-Kontinuum herzustellen, d.h. überspringe keinen Abschnitt von Gleichgewicht und Sicherheit. Gib deinem Körper die Möglichkeit, in seinem Tempo in die Balance zu finden.
- Versuche, schließlich in der eleganten Haltung mit den Handflächen zusammen vor der Brust und einer Fußsohle am Bein zu landen. Je niedriger du den Fuß dabei ansetzt, desto leichter fällt es, im Gleichgewicht zu bleiben.
Empfehlung: 2 Minuten pro Seite, ein Timer kann hier für Orientierung und Begrenzung sorgen.
Kurzanleitung Nackenrotation
Bitte nur ausführen, wenn deine Halswirbelsäule gesund ist.
- Nimm dir einen Moment Zeit, um dich gerade hinzusetzen und in deiner Position anzukommen. Du darfst etwas Stabilität in deinen Oberkörper bringen. Gleich wird sich nur dein Kopf bewegen, alles andere bleibt, wo es ist.
- Wenn du magst, schließe deine Augen.
- Beginne, indem du dein Kinn weitmöglichst zur Brust senkst, ohne deinen Rücken dabei zu krümmen. Spüre dabei die Dehnung im hinteren Nacken.
- Mache nun in Zeitlupentempo eine 360° Kreisbewegung mit dem Kopf und bringe so einmal alle Hals- und Nackenmuskeln nacheinander in Dehnung, während die Halswirbelsäule mobilisiert wird.
- Achte darauf, die Übung betont langsam und achtsam auszuführen, um Verletzungen vorzubeugen und um wirklich wahrzunehmen, wo sich die Grenzen der Beweglichkeit in jeder Position des Kopfes befinden.
- Wenn du mit dem Kinn wieder vorne ankommst, hebe einmal den Kopf, bevor du ihn wieder senkst und eine weitere Runde in die Gegenrichtung startest. Versuche, dein Bewusstsein für deine Wahrnehmung in jeder Runde zu erhöhen und ggf. etwas mehr in die Dehnung zu gehen.
Empfehlung: 2 Runden pro Seite.
Aus meiner Geschichte
Ich gestalte diesen Kurs unter anderem deshalb, weil ich für mich echte Integration meiner Geschichte erlebe, seit ich mit meinem Körper dazu arbeite. Davor habe ich viele Jahre über den Verstand nach Möglichkeiten gesucht, mich mehr in mir und der Welt Zuhause zu fühlen. Dadurch habe ich viel verstanden, aber es hat sich noch wenig verbunden. Erst die Zuwendung zu meinem Körper und die Begegnung mit dem, was er speichert und trägt, lässt mich schließlich mehr und mehr ganz fühlen.
Deshalb widme ich mich hier den Grundlagen, die mir selbst helfen, meine (eigentlich natürliche) Körperverbindung wieder herzustellen. Ich möchte meine Erfahrung mit dir teilen. Denn während viele der Methoden bereits bekannt sind, ist uns die bewusste Zuwendung zu unserem Körper dabei oft noch fremd. Wir sind so aufgewachsen, leben so, sind es so gewohnt. Ich bin da selbst noch auf der Reise. Und genau deshalb sind kleine Schritte so wertvoll. Kleine Bausteine für unseren Alltag, die unsere Gewohnheiten neu erbauen. Wir nehmen wahr, was ist, und beginnen sanft, einen neuen Weg zu gehen.
Schön, dass du hier bist, [accessally_user_firstname]!